Kreise und Ausschnitte in Holz sägen oder fräsen
Lege zuerst fest, welches Teil erhalten bleiben soll: die runde Scheibe oder die Platte mit dem Loch. Davon hängt ab, auf welcher Seite der Linie gesägt oder gefräst wird. Für Küchenplatten kommen die Originalmaße von Spüle oder Kochfeld hinzu.
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Rundung anzeichnen und die richtige Seite behalten
Ein sauberer Kreis beginnt mit einem festen Mittelpunkt und einem verlässlichen Radius. Der Radius ist halb so groß wie der Durchmesser. Ein straff geführter Zirkel oder eine geeignete Zirkelstange liefert einen gleichmäßigeren Anriss als eine lose Schnur, die sich beim Zeichnen dehnt.
Scheibe oder Loch?
Markiere die Abfallseite deutlich. Soll eine Scheibe mit 400 mm Durchmesser entstehen, liegt ihre fertige Außenkante 200 mm vom Mittelpunkt entfernt. Das Werkzeug nimmt Material außerhalb dieser Linie weg. Soll dagegen ein Loch mit 400 mm Durchmesser entstehen, liegt die Werkzeugbahn innerhalb der späteren Lochkante. Die Breite des Schnitts gehört jeweils zum Abfall.
Bei einem groben Zuschnitt mit anschließender Nacharbeit lässt du eine gleichmäßige kleine Zugabe auf der Abfallseite stehen. Wie groß sie sein darf, richtet sich nach dem späteren Werkzeug. Ein Kopierfräser soll nicht plötzlich große wechselnde Materialmengen abnehmen müssen.
Eine vorhandene Rundung übertragen
Passt ein vorhandenes Teil zuverlässig, kannst du seine Kontur zunächst auf eine Schablone übertragen. Prüfe, ob es tatsächlich kreisförmig ist. Eine organische Kurve oder eine verformte alte Platte lässt sich nicht durch einen einzigen Radius vollständig beschreiben. Die Schablone wird vor der Bearbeitung des guten Holzes geglättet und am Einbauort kontrolliert.

Einen Radius aus Sehne und Höhe bestimmen
Bei einem kreisförmigen Bogen lässt sich der Radius aus zwei Maßen berechnen. Die Sehne ist die gerade Verbindung zwischen zwei Punkten des Bogens. Das Stichmaß ist der größte senkrechte Abstand zwischen dieser Linie und dem Bogen, gemessen in der Mitte der Sehne.
Ein nachvollziehbares Beispiel
Für Sehnenlänge s und Stichmaß h gilt: R = s² / (8 × h) + h / 2. Bei s = 600 mm und h = 60 mm ergibt das 360.000 / 480 + 30 = 780 mm. Zeichne den so berechneten Bogen auf eine Schablone und lege ihn zur Kontrolle an die vorhandene Form.
Die Formel setzt einen Kreisbogen voraus. Bei einem sehr flachen Bogen führt bereits ein kleiner Messfehler im Stichmaß zu einer deutlichen Radiusabweichung. Miss deshalb mehrfach und prüfe mehrere Punkte. Für eine asymmetrische freie Kurve ist direktes Übertragen mit einer Schablone meist sinnvoller.
Ein halbrundes Plattenende
Bei einem echten Halbkreis entspricht der Radius der halben Breite des geraden Plattenteils. Eine 600 mm breite Platte erhält geometrisch also einen 300-mm-Radius, wenn das Ende nahtlos als Halbkreis anschließen soll. Markiere die Mittellinie und beide Übergänge. Das sagt noch nichts darüber aus, ob eine vorhandene Beschichtung oder Kante nach dem Zuschnitt wieder fachgerecht hergestellt werden kann.
Eine Nierenform mit einer Schablone entwickeln
Eine Nierenform besteht aus weich ineinanderlaufenden, unterschiedlich gekrümmten Abschnitten. Auf einer Seite liegt eine Einbuchtung. Anders als beim Kreis gibt es dafür keinen einzigen richtigen Radius. Lege zuerst fest, wie lang und breit die Platte werden soll und wo die Einbuchtung im späteren Gebrauch sinnvoll liegt.
Für einen eigenen Entwurf von 1.000 × 600 mm zeichnest du ein entsprechendes Rechteck auf Papier. Der Nullpunkt liegt oben links; x misst nach rechts, y nach unten. Markiere diese sechs Orientierungspunkte in Millimetern: links (0; 300), oben (400; 0), rechts (1.000; 280), rechter unterer Bogen (760; 560), Einbuchtung (520; 370) und linker unterer Bogen (250; 600). Verbinde sie in dieser Reihenfolge zu einer geschlossenen, weichen Kontur. Die Abbildung zeigt einen möglichen Verlauf.
An der oberen und unteren Außenkante soll die Kurve waagerecht auslaufen, an der linken und rechten Außenkante senkrecht. Auch der Übergang an der Einbuchtung bleibt weich. Die Punkte sind Orientierungshilfen; verbinde sie nicht mit geraden Linien und erzeuge keine Spitze in der Einbuchtung. Eine dünne biegsame Leiste, Kurvenlineale oder eine im Zeichenprogramm bearbeitete Kurve helfen beim gleichmäßigen Verlauf. Kontrolliere danach, ob die Außenmaße wirklich innerhalb des vorgesehenen Rechtecks bleiben.
Zeichnest du zunächst im Maßstab 1:5, wird das Rechteck 200 × 120 mm groß und jeder Punktwert durch fünf geteilt. Prüfe die Form anschließend in Originalgröße: Reichweite, Beinfreiheit und mögliche Gestellpositionen lassen sich am kleinen Papierentwurf kaum beurteilen. Eine harmonische Kontur ist noch kein Nachweis für die Stabilität einer Tischplatte oder ihres Gestells.
Übertrage den geprüften Umriss auf Schablonenmaterial, säge mit Bearbeitungszugabe und glätte den Rand bis zur endgültigen Linie. Prüfe den Rand der separat liegenden Schablone mit den Fingern und einer kurzen geraden Leiste: Knicke und kleine Wellen würden sich später auf die Platte übertragen. An der Einbuchtung muss der Radius zum gewählten Sägeblatt beziehungsweise Fräser samt Anlauflager passen. Bei einer Führung mit Kopierring kommt dessen Versatz hinzu; die gezeichnete Fertigkontur ist dann nicht unverändert die Schablonenkante.

Rundungen mit der Stichsäge schneiden
Die Stichsäge eignet sich für viele gebogene Rohzuschnitte und Innenausschnitte. Für enge Kurven braucht sie ein dafür geeignetes schmales Blatt. Material, Dicke und gewünschte Schnittqualität bestimmen die weitere Auswahl. Ein breites Blatt für gerade Schnitte lässt sich nicht durch mehr seitlichen Druck in einen engen Radius zwingen.
Den Schnitt führen, ohne das Blatt zu verdrehen
Spanne das Holz sicher ein und halte den Sägeschuh auf seiner vorgesehenen Auflage. Führe gleichmäßig entlang des Anrisses. Bei starkem seitlichem Druck kann das Blatt unten ausweichen, obwohl die Linie oben richtig getroffen wird. Kontrolliere einen Probeschnitt deshalb auch an der Unterseite.
Für saubere Kurvenschnitte empfiehlt Bosch in seinem Rundsägen-Beispiel, ohne Pendelhub zu arbeiten. Prüfe die geeignete Einstellung an deinem Material. Die Schnittseite und ein möglicher Splitterschutz hängen vom verwendeten Blatt ab; die ausführliche Vorbereitung steht bei ausrissarmen Schnitten.
Ein Innenausschnitt braucht einen Zugang
Bohre auf der Abfallseite einen ausreichend großen Zugang für das Blatt. Bleibe mit der Bohrung innerhalb der später entfernten Fläche und beachte die erforderlichen Eckradien. Stütze das herausgetrennte Teil so, dass es beim letzten Schnitt nicht abkippt, das Blatt einklemmt oder die verbleibende Kante ausreißt.
Sehr kleine Kreise sind nicht automatisch ein guter Stichsägenauftrag. Je nach Größe und Material kann ein passender Bohrer, eine Lochsäge oder eine dafür geeignete feinere Säge sinnvoller sein. Entscheidend ist, ob eine Scheibe oder eine saubere Öffnung gebraucht wird und wie das Teil sicher gespannt werden kann.
Kreise mit Fräszirkel oder Schablone herstellen
Ein Fräszirkel führt die Maschine um einen festen Drehpunkt. Der Punkt muss während der gesamten Bearbeitung sicher mit dem erhaltenen beziehungsweise zuverlässig befestigten Teil verbunden bleiben. Wenn der letzte Durchgang die Scheibe vollständig trennt, darf die Führung nicht schlagartig lose werden.
Den Fräserradius berücksichtigen
Für eine eigene geometrische Berechnung von Drehpunkt bis Fräsermitte gilt: Bei einer erhaltenen runden Scheibe addierst du zum fertigen Radius den halben Fräserdurchmesser. Bei einer erhaltenen Lochkante ziehst du ihn ab. Eine Scheibe mit R = 200 mm und ein 10-mm-Fräser benötigen somit 205 mm bis zur Fräsermitte; ein Loch mit R = 200 mm benötigt 195 mm.
Diese Maße beziehen sich ausdrücklich auf die Werkzeugachse. Die Skala eines gekauften Fräszirkels kann einen anderen Bezug verwenden. Lies deshalb seine Einstellanleitung und kontrolliere den tatsächlichen Abstand bis zur relevanten Schneide. Übernimm Zahlen für eine bestimmte Schablone nicht ungeprüft auf eine andere Vorrichtung.
Die Kontur vorarbeiten und den letzten Schnitt planen
Eine zuvor grob ausgesägte Form lässt sich mit geeignetem Werkzeug und sicherer Führung auf Endmaß bringen. Der Fräser folgt dabei einer vorhandenen Kante oder Schablone. Für eine normale rechtsdrehende Handoberfräse wird eine Außenkontur von oben gesehen gegen den Uhrzeigersinn bearbeitet, eine Innenkontur im Uhrzeigersinn. Das ist Gegenlauf an der jeweiligen Kante.
Bei einem noch vollständig geschlossenen Frässchlitz greifen die Schneiden an beiden Seiten an. Verwende dafür den vorgesehenen Ablauf deiner Maschine und Vorrichtung. Plane Unterlage, Reststeg oder anderweitige sichere Befestigung so, dass kein Teil unkontrolliert frei wird. Kleine Werkstücke werden nicht mit den Fingern neben dem Fräser gehalten.
Schablonenöffnungen passend vergrößern
Beim Arbeiten mit Kopierring und kleinerem Fräser entsteht ein Versatz. Ein 30-mm-Ring und ein 12-mm-Fräser ergeben 9 mm je Seite. Eine rechteckige Schablonenöffnung muss für dieselbe fertige innere Öffnung entsprechend größer sein. Auch die Schablonenecken müssen zum Ring passen. Die genaue Einführung findest du bei Fräsern und ihren Führungen.

Ausschnitte in Küchenarbeitsplatten planen
Für Spüle und Kochfeld zählt die Einbauzeichnung des tatsächlich vorhandenen Produkts. Außenmaß und Ausschnittmaß sind verschieden. Auch ein ähnlich aussehendes Nachfolgemodell kann eine andere Öffnung, andere Eckradien oder andere Befestigungen benötigen.
Vor dem Anzeichnen unter die Platte schauen
Übertrage die Lage des Unterschranks, seiner Seiten, Traversen und Beschläge. Der Ausschnitt muss Platz für das eingesetzte Teil und dessen Befestigung lassen. Prüfe außerdem den Abstand zu Vorderkante, Rückkante und benachbarten Ausschnitten. Eine optisch mittige Lage kann konstruktiv falsch sein.
Für aufliegenden und flächenbündigen Einbau gelten unterschiedliche Bearbeitungen. Ein flächenbündiger Rand kann eine zusätzliche Stufe mit enger Maßtoleranz benötigen. Nicht jede Holzwerkstoffplatte ist dafür geeignet. Die Material- und Einbauvorgaben bleiben maßgeblich.
Schnittkante und Dichtung erfüllen verschiedene Aufgaben
Eine offen gesägte Holzwerkstoffkante muss entsprechend der Platten- und Einbauanleitung gegen die vorgesehene Feuchtebelastung geschützt werden. BLANCO fordert in seinen Montageunterlagen eine geeignete Versiegelung des Ausschnittrands. Das ist zusätzlich zur richtigen Abdichtung am Spülenrand zu betrachten; eine Dichtung oben schützt nicht automatisch jede freiliegende Schnittfläche darunter.
Wähle das Mittel passend zum Material und Einbausystem und beachte seine Verarbeitung und Aushärtung. Dieser Artikel behandelt die Holzarbeiten. Wasser-, Strom- und Gasanschlüsse gehören zur jeweiligen fachgerechten Installation.
Ein Loch für die Armatur
Miss den vorgesehenen Durchmesser aus der Armaturenzeichnung. Prüfe darunter den Platz für Befestigung, Leitungsführung und Werkzeugzugang. Für eine Holzarbeitsplatte wählst du einen geeigneten Bohrer oder eine passende Lochsäge samt sauberer Gegenlage. Die Lochmitte allein genügt nicht, wenn die Befestigung später mit der Spülenwand kollidiert.
Bei einer Armaturbohrung direkt in Keramik, Stein oder einem Spülenverbundmaterial gilt ein anderer Arbeitsablauf. Übertrage die Holzbearbeitung nicht auf diese Materialien.
Beispiele aus der Praxis
Die runde Scheibe ist einen Zentimeter zu klein
Der Fräszirkel wurde auf den fertigen Radius eingestellt, gemessen bis zur Fräsermitte. Bei einem 10-mm-Fräser fehlt dadurch am Rand der Scheibe ein halber Fräserdurchmesser. Für die Außenkante muss die Werkzeugachse entsprechend weiter außen laufen. Prüfe den Bezug der Skala vor dem nächsten Zuschnitt.
Der Spülenausschnitt trifft eine Korpusseite
Die Lage wurde nur auf der Oberseite angezeichnet. Übertrage zuerst den gesamten Unterschrank und den Platz für die Befestigungen. Ein nachträglich größer geschnittener Ausschnitt löst die Kollision nicht zwangsläufig und kann die Auflage der Spüle verlieren lassen.
Oben rund, unten schief
Das Stichsägeblatt ist in der engen Kurve seitlich ausgewichen. Wähle ein zum Radius passendes Blatt und führe ohne seitliches Erzwingen. Für eine maßhaltige Endkante kann ein sauberer Rohzuschnitt mit anschließender geführter Nacharbeit sinnvoll sein.
Häufige Fragen
Wie berechne ich den Radius einer vorhandenen Rundung?
Wenn es ein Kreisbogen ist, miss Sehne s und mittleres Stichmaß h. Dann gilt R = s² / (8h) + h / 2. Kontrolliere das Ergebnis mit einer Schablone; freie oder verformte Kurven folgen nicht zwingend einem Kreis.
Muss ich beim Fräszirkel den Fräserdurchmesser addieren?
Bei einem Maß von Drehpunkt bis Fräsermitte addierst du für eine erhaltene runde Scheibe den halben Fräserdurchmesser zum Endradius. Für eine erhaltene Lochkante ziehst du ihn ab. Eine Geräteskala kann anders bezogen sein.
Kann ich einen Spülenausschnitt nach dem Außenrand der Spüle sägen?
Nein. Der Außenrand überdeckt und trägt die Spüle. Verwende die passende Ausschnittzeichnung oder Originalschablone des Modells und prüfe die Einbaulage zum Unterschrank.
Wie säge ich eine kleine runde Öffnung?
Je nach Durchmesser, Material und Qualitätsanspruch kommen Bohrer, Lochsäge oder eine geeignete feinere Säge infrage. Die Stichsäge braucht einen zugänglichen Startpunkt und einen Radius, den ihr Blatt bewältigen kann. Das Holz muss sicher gespannt sein.
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